ALIS (Autonomic Logistics Information System) bzw. sein Nachfolger ODIN (Operational Data Integrated Network) ist das zentrale IT-System für alle Wartungs- und Logistikplanungen der F-35-Flotte [80]. Ohne ALIS/ODIN ist kein Flugbetrieb möglich [80]. Alle Daten laufen über Server von Lockheed Martin in Fort Worth, Texas [48].
Der DOT&E-Bericht 2017 listete ca. 1'000 offene Deficiencies, davon 301 mit hoher Priorität, von denen nur 88 (29%) in Bearbeitung waren [81]. ALIS-Daten sind oft unvollständig oder fehlerhaft, Auftragnehmer verlassen sich nicht auf das System für eigene Arbeiten [82]. Fehlerhafte Bestandsdaten führen zu unerwarteten Groundings einsatzbereiter Flugzeuge [83].
Alle F-35-Missionsdaten -- Flugrouten, Einsatzprotokolle, Sensor-Aufzeichnungen, Kommunikations-Metadaten -- werden an Lockheed-Martin-Server in den USA übermittelt [84]. Partner-Länder haben keine granulare Kontrolle über eigene Daten [84]. Norwegische F-35 senden detaillierte Telemetrie aller Pilotenaktivitäten an die Lockheed-Martin-Einrichtung in Fort Worth [85].
Zwei F-35-Partnerländer drohten mit Programmausstieg aufgrund von Bedenken über den Datenfluss [86]. Eine Sovereign Data Management Solution wurde für einige Länder entwickelt, ändert aber nichts an der grundsätzlichen Abhängigkeit [87].
Offiziell gibt es keinen Remote Kill Switch [88]. Die reale Abhängigkeit besteht jedoch über die Mission Data Files (MDF): Ohne aktuelle MDF sind F-35 weit weniger fähig und verwundbarer. Durch das Abschneiden von Wartungsunterstützung, Ersatzteil-Lieferungen, Software-Updates und Netzwerkzugang könnten F-35 zwar noch fliegen, wären aber deutlich verwundbarer und schwierig langfristig flugfähig zu halten [89].
Nur Israel betreibt ein völlig unabhängiges System: Die F-35I "Adir" verfügt über israelisch entwickelte Missionssoftware, separate Wartung an der Nevatim Air Base ohne Lockheed-Martin-Logistik, und direkten Zugang zu Source-Codes [16][17][90]. Diese Autonomie wurde auf eigene Kosten erkauft.
Die F/A-18 wurde von RUAG autonom gewartet -- Software lokal gepflegt, ohne US-Abhängigkeit [61]. Für die F-35 werden Wartungsspezifikationen noch definiert. RUAG darf 4 von 36 Jets montieren und testen, benötigt aber Lockheed-Martin-Unterstützung [62]. Die Endabnahme erfolgt in Italien [63].
Für einen neutralen Staat, dessen sämtliche Missionsdaten an US-Server übermittelt werden, stellt dies eine fundamentale Souveränitätsfrage dar.
[16] DSCA. Foreign Military Sales (FMS) Overview
[17] DSCA. SAMM Chapter 5: FMS Process
[48] Infodas (2024). Solving Data Sovereignty and Classified Information Protection Issues with the F-35 ALIS/ODIN System
[61] DebugLies.com (2025). Switzerland's F-35 Acquisition: Data-Driven Analysis of U.S. Control
[62] Army Recognition (2024). Switzerland to Locally Produce Four of Its 36 F-35A Fighter Jets
[63] Defence Industry EU. RUAG Receives Pre-Approval for Final Production of F-35 Fighters in Switzerland
[80] Edwards AFB (2022). F-35 JPO Completes Initial Deployment of New Logistics Hardware
[81] DOT&E (2017). F-35 Joint Strike Fighter Annual Report
[82] Defense News (Februar 2019). Bad Data in F-35 Logistics System Resulting in Lost Missions
[83] Defense News (Juni 2019). Inventory Management Failures Are Grounding F-35 Jets
[84] Bolt Flight. F-35 ALIS: The Digital Backbone and Strategic Lever
[85] Fighter Jets World. Norwegian F-35 Spy on Its Owner: Send Sensitive Data Back to U.S.A
[86] Defense News (Juni 2019). Two F-35 Partners Threatened to Quit the Program
[87] Flight Global (2018). New F-35 Software Could Quell ALIS Sovereignty Concerns
[88] Flight Global (2025). 'There Is No Kill Switch': Pentagon Denies F-35 Rumours
[89] The War Zone. You Don't Need a Kill Switch to Hobble Exported F-35s
[90] Defense.info. Why Israel's F-35 Fleet Outperforms the US Air Force