Die Schweiz hat im Juni 2021 den Typenentscheid zugunsten der F-35A Lightning II getroffen. Der Beschaffungsvertrag wurde im September 2022 unterzeichnet [1][2].
| Parameter | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Typenentscheid | 30. Juni 2021 | [1] |
| Vertragsunterzeichnung | September 2022 | [2] |
| Volksabstimmung | 27. September 2020, 50.1% Ja (8'670 Stimmen Differenz) | [3] |
| Abstimmungsgegenstand | Finanzrahmen von 6 Mrd. CHF für neue Kampfflugzeuge (nicht über den Typ) | [3] |
| Ursprüngliche Stückzahl | 36 F-35A | [1] |
| Budget | CHF 6 Milliarden (Bundesbeschluss) | [4] |
| Beschaffungsweg | Foreign Military Sales (FMS) via US-Regierung | [2] |
Aktuelle Lage (Dezember 2025): Der Bundesrat beauftragte das VBS, die "maximal mögliche Anzahl" F-35A innerhalb des Finanzrahmens von 6 Milliarden Franken zu beschaffen [4]. Die Formulierung "maximal mögliche Anzahl" statt der ursprünglichen 36 Stück signalisiert eine Reduktion auf 35 oder weniger Flugzeuge aufgrund der gestiegenen Preise [5][6][7].
Festpreis-Versprechen gebrochen: Die USA haben im Sommer 2025 einseitig Mehrkosten in der Höhe von CHF 650 Millionen bis 1.3 Milliarden Franken angekündigt [5][6][8]. Der Rüstungschef bezifferte die Bandbreite der Mehrkosten gegenüber den Medien [8]. Die ursprüngliche Zusage eines Festpreises ist damit faktisch hinfällig.
Die flottenweite Verfügbarkeitsrate der F-35 ist laut GAO in den vergangenen fünf Jahren rückläufig. Keine der drei Varianten (F-35A, F-35B, F-35C) erreicht die vom US-Verteidigungsministerium gesetzten Verfügbarkeitsziele [9][10].
| Metrik | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Flottenweite MC Rate (2023/2024) | ca. 51-55% | [9] |
| Verfügbarkeitstrend | Rückläufig über 5 Jahre | [9] |
| MUSS-Anforderung Schweiz | >80% | Abgeleitet aus Flottengrösse [4][11] |
| Konsequenz bei 35 Jets und 51% MC Rate | ~18 einsatzfähig | Berechnung |

Quellen: GAO-24-106703 (F-35), Herstellerangaben und unabhängige Analysen (Gripen, Rafale, Eurofighter). Nur der Gripen erreicht die Schweizer MUSS-Anforderung von >80%.
| Metrik | Wert | Quelle |
|---|---|---|
| Cost per Flight Hour (CPFH) | USD 34'000-36'000 (GAO 2024) | [9] |
| Kosten pro Flugzeug/Jahr (Steady State) | USD 7.5 Millionen (über dem Ziel von USD 6.8 Mio.) | [9] |
| Globale Sustainment-Kosten (2018) | USD 1.1 Billionen (Schätzung) | [9][12] |
| Globale Sustainment-Kosten (2023) | USD 1.58 Billionen (Schätzung) | [9][12] |
| Steigerung | +44% in 5 Jahren | [9][12] |
| Gesamte Programmkosten (Lebenszyklus) | >USD 2 Billionen | [12] |

Quellen: GAO (F-35), Stratpost (Gripen), UniBw München und Herstellerangaben (Eurofighter/Rafale). Bandbreiten berücksichtigen unterschiedliche Berechnungsmethoden.

Quelle: GAO-24-106703 und GAO Blog (2024). Die globalen Lebenszykluskosten des F-35-Programms sind von USD 1.1 Bio. (2018) auf über USD 2 Bio. (2024) gestiegen.
Kanada hat 2022 den Kauf von 88 F-35A beschlossen. Der Bericht der kanadischen Auditor General (Juni 2025) dokumentiert massive Kostensteigerungen [13][14]:
| Parameter | Ursprüngliche Schätzung | Aktuelle Schätzung (2024) | Steigerung |
|---|---|---|---|
| Beschaffungskosten | CAD 19 Milliarden | CAD 27.7 Milliarden | +46% |
| Worst Case | -- | CAD 33.2 Milliarden | +75% |
| Infrastruktur | Nicht vollständig budgetiert | Milliarden-Zusatzkosten | -- |
Zusätzlich identifizierte die Auditor General: Bauverzögerungen bei den Kampfgeschwader-Einrichtungen (>3 Jahre hinter Zeitplan), drohender Pilotenmangel und fehlende Risikomanagement-Pläne für Währungs- und Inflationsrisiken [13][14].

Quellen: Globe and Mail, CBC (Kanada); SRF, NZZ, VBS (Schweiz, 2025). Die Schweizer Mehrkosten sind bislang geringer, aber die kanadische Erfahrung zeigt das Eskalationspotenzial.
Das Technology Refresh 3 (TR-3) Prozessor-Upgrade, Voraussetzung für den Block 4 mit erweiterten Fähigkeiten, ist massiv verspätet. Das GAO berichtet von anhaltenden Verzögerungen bei der Auslieferung [15].
Die USA selbst planen, die F-35 weniger zu fliegen als ursprünglich vorgesehen -- unter anderem aufgrund von Zuverlässigkeitsproblemen [12].
Die F-35A unterliegt vollständig dem US-Exportkontrollrecht (International Traffic in Arms Regulations, ITAR). Dies hat weitreichende Konsequenzen für die Schweiz als neutralen Kleinstaat [16][17].
| Einschränkung | Auswirkung für die Schweiz | Quelle |
|---|---|---|
| Einsatzgenehmigung | USA können den Einsatz oder die Verlegung an Bedingungen knüpfen | [16] |
| Wartungsbeschränkungen | Bestimmte Wartungsarbeiten erfordern US-zertifiziertes Personal | [16] |
| Waffenintegration | Integration nicht-amerikanischer Waffen erfordert US-Genehmigung | [16] |
| Software-Updates | Updates der Missionssoftware erfolgen ausschliesslich nach US-Freigabe | [18] |
| Technologietransfer | Weitergabe technischer Dokumentation an Schweizer Ingenieure unterliegt US-Genehmigung | [16] |
| Re-Export-Verbot | Kein Weiterverkauf an Drittstaaten ohne US-Genehmigung | [16] |
Das Autonomic Logistics Information System (ALIS), inzwischen umbenannt in ODIN (Operational Data Integrated Network), ist das IT-Rückgrat der F-35. Es sammelt Wartungs-, Logistik- und taktische Daten (Flugrouten, erkannte Bedrohungen) und teilt diese weltweit mit allen F-35-Betreibern [19][20].
Non-US-Partner haben wiederholt Bedenken bezüglich Datensouveränität und Cybersicherheit geäussert [19]. ODIN soll zwar im Gegensatz zu ALIS im Eigentum des US-Verteidigungsministeriums statt des Herstellers stehen, doch das Cloud-Backbone läuft über kommerzielle US-Hyperscaler (Microsoft, Amazon) [20].
Die Mission Data Files enthalten hochsensible nachrichtendienstliche Informationen über gegnerische Bedrohungen -- Radarprofile, elektronische Ordnung der Bedrohung, Waffenparameter. Nur die USA erstellen und kontrollieren diese Dateien [21][22]:
Die F-35-Missionssoftware umfasst über 25 Millionen Zeilen Code, vollständig unter US-Kontrolle. Kein Partnerland erhält Lese- oder Auditrechte. Die Schweiz kann keine eigenständigen Sicherheitsaudits der Missionssoftware durchführen [18].
Ersatzteile werden über einen globalen Pool verteilt, der von US-Priorisierung abhängt. Eine autonome Schweizer Ersatzteillagerung für Monate -- wie für einen neutralen Staat erforderlich -- ist im F-35-System nicht vorgesehen.
Kein physischer Schalter ist nötig, um eine F-35-Flotte lahmzulegen. Das Zurückhalten von Ersatzteilen, Software-Updates oder MDF-Aktualisierungen degradiert eine Flotte innerhalb von 30-60 Tagen operativ [23][24].
| Fall | Massnahme | Konsequenz | Quelle |
|---|---|---|---|
| Türkei (2019) | Kauf des russischen S-400-Systems | Ausschluss aus dem F-35-Programm, CAATSA-Sanktionen | [25] |
| VAE (2021) | Huawei/5G-Bedenken | F-35-Deal faktisch gescheitert | [26] |
| Pakistan | F-16-Einsatzbeschränkungen über Jahrzehnte | Eingeschränkte Souveränität bei Wartung und Einsatz | [25] |
Diese Fälle belegen, dass die USA ITAR-Restriktionen als aussenpolitisches Druckmittel einsetzen -- unabhängig von bestehenden Verträgen.
Der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine hat die sicherheitspolitische Landschaft Europas fundamental verändert. Die Transformation der russischen Streitkräfte unter dem Druck des Abnutzungskrieges -- von klassischer mechanisierter Doktrin hin zu drohnengestützter Kriegführung mit industrieller Massenproduktion -- hat direkte Implikationen für die europäische Sicherheit [27][28][29].
Hyperschallwaffen:
| Waffensystem | Geschwindigkeit | Reichweite | Status | Quelle |
|---|---|---|---|---|
| Kinzhal (Kh-47M2) | Mach 10 (russische Angaben; ukrainische Messungen: ca. Mach 3.6) | 500-2'000 km | Im Einsatz (Ukraine) | [30] |
| Zircon (SS-N-33) | Mach 8-9 | 250-500 km | Im Einsatz seit Feb. 2024 (Ukraine) | [30][31] |
Drohnenschwärme: Die russische Kriegswirtschaft produziert Shahed-136/Geranium-2-Drohnen in grosser Stückzahl. Im Oktober 2025 setzte Russland ca. 5'300 Shahed-Drohnen, 74 Marschflugkörper und 148 ballistische Raketen gegen die Ukraine ein -- eine Verdreifachung gegenüber dem Vorjahreszeitraum [32]. Die Kostenasymmetrie ist fundamental: Eine Shahed-Drohne kostet USD 20'000-50'000, eine Patriot-Abfangrakete USD 3-4 Millionen -- ein Verhältnis von 1:150 [33].
Hybride Kriegführung: Russland führt bereits einen hybriden Krieg gegen Europa, der Spionage, Sabotage, Cyberangriffe und Desinformation umfasst [34]. GRU-Sabotageakte gegen europäische Infrastruktur sind dokumentiert.
Der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) veröffentlichte 2025 den Lagebericht "Sicherheit Schweiz 2025" mit einer historisch einmaligen Einschätzung [35][36].
Das Lageradar des NDB zeigt 15 Brennpunkte gleichzeitig [35]. Die Schweiz ist nicht Beobachterin, sondern Betroffene der globalen Konfrontation.
Spezifische Bedrohungen:
| Bedrohung | Beschreibung | Relevanz für Luftverteidigung |
|---|---|---|
| Alpen als Radarschatten | Tieffliegende Marschflugkörper nutzen Terrain Masking in Alpentälern; FLORAKO-Radar endet an der Grenze | Konventionelle Radarabdeckung hat Lücken |
| Transitraum | Schweiz als potenzieller Transitraum für Luftangriffe auf NATO-Ziele | Neutralitätsschutz erfordert Luftraumkontrolle |
| Topografische Blindheit | Täler ohne Look-Down-Fähigkeit für bodengestützte Radarsysteme | Kampfflugzeuge mit Look-Down/Shoot-Down-Fähigkeit nötig |
| Zeitproblem | Hyperschallwaffen von österreichischer Grenze nach Bern: <45 Sekunden bei Mach 8 | Nationale Frühwarnung allein reicht nicht |
| Verwundbare KRITIS | Energienetz, Finanzzentrum (SIX), Logistik (Rhein), Bahn | Müssen aus der Luft verteidigt werden können |
| Spionage-Hub | Genf/Bern als Ziele russischer und chinesischer Nachrichtendienste (NDB 2025) | Erhöhte Bedrohung im Vorfeld von Konflikten |
Quellen: NDB Lagebericht 2025 [35], SWP 2023 [37], armasuisse Hyperschall [38], RUSI 2024/2025 [27][28]
Die Bedrohungsanalyse ergibt drei zwingende Schlussfolgerungen:
Rein nationale Verteidigung reicht nicht. Die Reaktionszeiten bei Hyperschallwaffen sind zu kurz für ein Land mit den Dimensionen der Schweiz. Ohne europäische Frühwarnung fehlen entscheidende Sekunden bis Minuten.
Europäische Frühwarnung (ESSI) ist physikalisch notwendig. Das "Recognized Air Picture" (RAP) erweitert den Detektionshorizont um 300-500 km über die Schweizer Grenzen hinaus und gibt der Luftverteidigung die nötige Vorwarnzeit [39][40].
Suspendierungsklausel wahrt Neutralität. Die Schweiz hat bei ihrem ESSI-Beitritt (Oktober 2024) eine unilaterale Erklärung abgegeben, die den Rückzug aus der Kooperation bei einem bewaffneten Konflikt eines ESSI-Mitglieds ermöglicht [39][40][41].
Die Schweizer Luftwaffe hat zwei Kernaufträge:
| ID | Anforderung | Priorität | Begründung |
|---|---|---|---|
| LP-001 | 24/7 QRA-Fähigkeit mit mind. 2 bewaffneten Flugzeugen in Bereitschaft | MUSS | Seit 2021 operativ umgesetzt [42] |
| LP-002 | Reaktionszeit: Start innerhalb 15 Minuten nach Alarm | MUSS | QRA-Standard [42] |
| LP-003 | Identifikation und Abfangen im gesamten Schweizer Luftraum | MUSS | ~10 Hot Missions, ~200 Live Missions/Jahr [42] |
| LP-004 | Visuelle Identifikation (Tag und Nacht) | MUSS | Nachtflugfähigkeit mit Infrarot/Nachtsicht |
| LP-005 | Eskortierung und kontrollierte Umleitung ziviler Luftfahrzeuge | MUSS | Standardverfahren bei Luftraumverletzungen |
| LP-006 | Sicherung von Grossanlässen (WEF, UNO-Konferenzen) | MUSS | Regelmässiger Auftrag [43] |
| LP-007 | Autonomer Betrieb ohne Abhängigkeit von ausländischen Systemen | MUSS | Neutralitätsprinzip [44] |
| LP-008 | Tiefe Betriebskosten pro Flugstunde | SOLL | Budgetrestriktion [4] |
| ID | Anforderung | Priorität | Begründung |
|---|---|---|---|
| LV-001 | Luftüberlegenheit: Luftkampf BVR und WVR | MUSS | Kernauftrag [11] |
| LV-002 | Bekämpfung von Marschflugkörpern und ballistischen Zielen (mit BODLUV) | MUSS | Veränderte Bedrohungslage [11][35] |
| LV-003 | MC Rate >80% im Ernstfall | MUSS | Bei 35 oder weniger Flugzeugen ist jedes einzelne kritisch [4] |
| LV-004 | Dezentralisierung: Betrieb ab mehreren Standorten | MUSS | Bundesrat hat Dezentralisierung beschlossen [45] |
| LV-005 | Kavernentauglichkeit (Meiringen) | SOLL | Einziger aktiver Kavernenflugplatz [46] |
| LV-006 | EMCON-Betrieb (Emissionskontrolle, minimale Abstrahlung) | SOLL | Überlebensfähigkeit [11] |
| LV-007 | Durchhaltefähigkeit: Autonomer Betrieb über Wochen ohne externen Nachschub | MUSS | Neutralität erfordert Logistik-Unabhängigkeit [11][44] |
| LV-008 | Luftgestützte Aufklärung und Zielzuweisung für BODLUV | SOLL | Vernetzung mit Patriot [11][47] |
| LV-009 | Integration in vernetztes Luftverteidigungssystem | MUSS | Air2030 als Gesamtsystem [11][47] |
| LV-010 | Flottenumfang: 55-70 (Expertenbericht), realistisch 28-36 (Budget) | KRITISCH | Expertengruppe vs. Bundesrat [4][11] |
| ID | Anforderung | Priorität | Begründung |
|---|---|---|---|
| TA-001 | Modernes AESA-Radar | MUSS | Stand der Technik |
| TA-002 | Fused Situational Awareness (vollständige Sensorfusion) | MUSS | Entscheidender Kampfwertvorteil |
| TA-003 | BVR-Kampffähigkeit (AMRAAM oder Meteor) | MUSS | Erstkampf-Überlebensfähigkeit [11] |
| TA-004 | WVR-Kampffähigkeit (AIM-9X oder IRIS-T) + Bordkanone | MUSS | Luftpolizei und Nahkampf |
| TA-005 | Elektronische Kampfführung (EloKa-Suite) | MUSS | Überlebensfähigkeit |
| TA-006 | NATO-kompatible Datenlinks (Link 16) + autonomer Betrieb | MUSS | Interoperabilität ohne Mitgliedschaft [44] |
| TA-007 | Europäische SATCOM-Lösung (ohne Abhängigkeit von US-MILSATCOM) | MUSS | Souveräne Kommunikation im Ernstfall [11][44] |
| TA-008 | Stealth-Eigenschaften (reduzierter Radarquerschnitt) | SOLL | Überlebensvorteil, aber nicht zwingend für Luftpolizei |
| TA-009 | Supercruise oder >Mach 1.5 | SOLL | Schnelle Raumgewinnung im Alpenraum |
| TA-010 | Einsatzradius min. 500 nm | SOLL | Abdeckung gesamter Luftraum ab jedem Flugplatz |
| TA-011 | Nachtkampf- und Allwetterfähigkeit | MUSS | 24/7-Einsatz |
| TA-012 | Wachstumspotenzial (30+ Jahre) | SOLL | Lebensdauer bis 2060+ [4] |
| TA-013 | Silent Attack: Bekämpfung ohne eigene Radaremission | MUSS | Überlebensfähigkeit |
Im modernen Luftkampf verrät jede aktive Radaremission die eigene Position. Moderne ESM-Systeme erfassen gegnerische Radarstrahlung auf Distanzen, die das Zwei- bis Dreifache der eigenen Radarreichweite betragen. Ein Kampfflugzeug, das im Ernstfall überleben will, muss über emissionsarme oder vollständig passive Bekämpfungsoptionen verfügen.
| Methode | Funktionsweise | Einsatzzweck |
|---|---|---|
| ARM (Anti-Radiation Missile) | Raketen, die auf feindliche Radaremissionen einlenken (z.B. AGM-88 HARM/AARGM) | Bekämpfung von Luftabwehrradaren ohne eigene Radaremission |
| HOJ (Home-on-Jam) | Raketen mit HOJ-Fähigkeit lenken auf gegnerische Störsender ein | Bestrafung elektronischer Störmassnahmen |
| IRST-basiertes Targeting | Rein optisch/infrarot-gestützter Waffeneinsatz über IRST-System | Luft-Luft-Bekämpfung vollständig passiv |
| Third-Party Targeting | Passive Sensoren + Zieldaten über verschlüsselte Datenlinks (Link 16) von anderen Plattformen | Netzwerkgestützter Kampf: Ein Flugzeug lokalisiert, ein anderes bekämpft |
EMCON-Profil (Emission Control): Der gesamte Silent-Attack-Ablauf wird unter Funkstille geführt: Kein aktives Radar, kein aktiver Datenlink-Sender, keine Funkemissionen. Das Flugzeug operiert mit passiven Sensoren (ESM, IRST) und empfängt Datenlinks nur lesend.
| ID | Anforderung | Priorität | Begründung |
|---|---|---|---|
| SO-001 | Autonomer Betrieb ohne Freigabe durch Herstellerland | MUSS | Neutralitätsgebot, Kill-Switch-Risiko |
| SO-002 | Offene Systemarchitektur (OSA): dokumentierte Schnittstellen, modularer Aufbau | MUSS | Langfristige Unabhängigkeit |
| SO-003 | Quellcode-Zugang: mind. Lese-/Auditrechte, idealerweise Modifikationsrechte | MUSS | Sicherheitsaudits, nationale Anpassungen [18][49] |
| SO-004 | Kein ITAR-Lock-in | MUSS | ITAR gibt De-facto-Vetorecht; unvereinbar mit Neutralität [16][17] |
| SO-005 | Transfer of Technology (ToT): vertraglicher Technologietransfer | MUSS | Eigenständige Wartung, Durchhaltefähigkeit |
| SO-006 | Integration nicht-amerikanischer Waffen und Sensoren | MUSS | Flexibilität bei Bewaffnung (Meteor, IRIS-T, europäische EloKa) |
Eine offene Systemarchitektur bedeutet dokumentierte, standardisierte Schnittstellen statt einer monolithischen Black Box:
Gegenbeispiel F-35: ALIS/ODIN als proprietäres System, bei dem sämtliche Wartungsdaten an Lockheed Martin übermittelt werden [19]. Kein Einblick in Datenflüsse für die Schweiz.
ITAR (International Traffic in Arms Regulations) ist das US-Exportkontrollrecht für Rüstungsgüter [16]. Bei jedem Waffensystem mit US-Komponenten gilt: Einsatz, Wartung, Waffenintegration und Technologietransfer erfordern US-Genehmigung. Ein Kampfflugzeug unter vollständiger ITAR-Kontrolle ist de facto nicht souverän einsetzbar.
Wichtige Differenzierung: Auch europäische Kampfflugzeuge können teilweise US-Komponenten enthalten (z.B. Gripen E: GE F414-Triebwerk, ca. 1/3 US-Komponenten [50][51]). Entscheidend ist der Grad der Abhängigkeit: Ein einzelnes austauschbares Triebwerk ist ein anderes Risikoprofil als ein System, das in Gänze unter ITAR steht (F-35). Europäische Exportregime (Frankreich, Schweden, Eurofighter-Konsortium) sind für neutrale Käufer nachweislich weniger restriktiv [17][52].
| ToT-Stufe | Beschreibung | Priorität |
|---|---|---|
| Stufe 1: Wartung | Schweizer Betriebe führen alle Wartungsstufen eigenständig durch | MUSS |
| Stufe 2: Komponenten-Reparatur | Reparatur von Schlüsselkomponenten (Triebwerk, Radar, EloKa) in der Schweiz | MUSS |
| Stufe 3: Software-Anpassung | Nationale Anpassungen (Kryptografie, Datenlink-Profile, taktische Datenbanken) | MUSS |
| Stufe 4: Teilfertigung | Fertigung ausgewählter Komponenten in der Schweiz (Offset) | SOLL |
| Stufe 5: Waffenintegration | Eigenständige Integration und Zertifizierung von Bewaffnung | SOLL |
Referenzmodell Brasilien-Schweden: Brasilien erhielt beim Gripen-E-Kauf umfassenden Technologietransfer: Quellcode-Zugang, lokale Endmontage bei Embraer, Beteiligung an der Software-Entwicklung, Schulung von über 350 brasilianischen Fachkräften in Schweden [49][53]. Dies gilt als Benchmark für ToT.
| ID | Anforderung | Priorität | Begründung |
|---|---|---|---|
| PO-001 | Vereinbarkeit mit Schweizer Neutralität | MUSS | Verfassungsrechtliche Grundlage [44] |
| PO-002 | Parlamentarische und demokratische Legitimation | MUSS | Air2030: 50.1% Ja [3] |
| PO-003 | Offset-Geschäfte: mind. 60% des Beschaffungswerts | MUSS | Gesetzliche Vorgabe [48] |
| PO-004 | Budget: max. CHF 6 Milliarden | MUSS | Bundesbeschluss [4] |
| PO-005 | Plausible Lebenszykluskostenschätzung mit Reserven | MUSS | Kanada-Erfahrung: +46% [13] |
| PO-006 | Kooperation mit Nachbarstaaten ohne NATO-Beitritt | SOLL | Luftlageverbund, gemeinsame Übungen [44][47] |
| ID | Anforderung | Priorität | Begründung |
|---|---|---|---|
| IF-001 | Betrieb ab 3 aktiven Flugplätzen (Payerne, Emmen, Meiringen) | MUSS | Bestehende Infrastruktur [45] |
| IF-002 | Betrieb ab Ausweichstandorten (Zivilflugplätze, Autobahnabschnitte) | SOLL | Dezentralisierung [45] |
| IF-003 | Kavernenkompatibilität (Meiringen) | SOLL | Kaverne für F/A-18 umgebaut (CHF 120 Mio.) [46] |
| IF-004 | Startbahnlänge: Betrieb ab 2'000 m | SOLL | Meiringen: 2'020 m, Payerne: 2'985 m |
| IF-005 | Treibstoffkompatibilität (JP-8 / Jet A-1) | MUSS | Standard |
Die drei europäischen Kampfflugzeuge, die für eine Schweizer Beschaffung in Frage kommen:
Die Gewichtung orientiert sich am AHP-Verfahren (Analytic Hierarchy Process) und priorisiert die als MUSS klassifizierten Anforderungen:
| Kriterium | Gewichtung | Begründung |
|---|---|---|
| Souveränität (OSA, Quellcode, ITAR-Freiheit, ToT) | 25% | MUSS-Anforderungen SO-001 bis SO-006; für neutralen Staat existenziell |
| Verfügbarkeit (MC Rate) | 20% | MUSS-Anforderung LO-001/LV-003; bei kleiner Flotte überlebenswichtig |
| Betriebskosten (CPFH, LCC) | 15% | SOLL-Anforderung LO-003; bestimmt Flugstundenproduktion im Budget |
| Wirksamkeit (Luftkampf, Sensorfusion) | 15% | MUSS-Anforderungen TA-001 bis TA-013 |
| Schweiz-Kompatibilität (Infrastruktur, Dezentralisierung) | 10% | MUSS-Anforderungen IF-001 bis IF-005, LV-004 |
| Offsets und Industriebeteiligung | 10% | MUSS-Anforderung PO-003 |
| Kooperation Nachbarstaaten | 5% | SOLL-Anforderung PO-006 |
| Kriterium | Bewertung | Begründung |
|---|---|---|
| Souveränität | 4/5 | Umfassendster Quellcode-Zugang aller westlichen Kampfflugzeuge (Referenz Brasilien-Vertrag mit Zugang zur Missionssoftware und lokaler Endmontage [49][53]). Offene Avionik-Architektur, dokumentierte Schnittstellen. Einschränkung: Ca. 1/3 US-Komponenten, insbesondere GE F414-Triebwerk (RM16), unterliegen ITAR [50][51]. Dies ist ein geringeres Risiko als bei der F-35 (Gesamtsystem unter ITAR), aber nicht vernachlässigbar. |
| Verfügbarkeit | 5/5 | Gripen C/D: regelmässig >90% MC Rate, Spitzen 95% [54]. Gripen E bei CRUZEX 2024 (Brasilien): fast jeden Tag waren alle sieben Flugzeuge auf der Flightline verfügbar [55]. In der Schweizer Evaluation erreichte der Gripen E über 85% mit minimalem Support [54]. |
| Betriebskosten | 5/5 | Tiefste CPFH aller westlichen Kampfjets dieser Klasse [56]. Einmotoriges Design reduziert Treibstoff- und Wartungskosten strukturell. |
| Wirksamkeit | 3/5 | Leonardo Raven ES-05 AESA-Radar mit innovativem repositionierbarem Antenna (+-100 Grad Field of Regard) [57]. Meteor-Integration (BVR) und IRIS-T (WVR). Gute Sensorfusion. Einschränkung: Geringere Nutzlast und Reichweite als Rafale/Eurofighter (einmotorig, leichtere Plattform). |
| Schweiz-Kompatibilität | 5/5 | Explizit für dezentrale Operationen konzipiert: Strassenstarts, kurze Pisten, kleine Logistik-Footprints, schnelle Turnaround [53]. Ideal für die Schweizer Doktrin mit 3 Flugplätzen und Ausweichstandorten. |
| Offsets | 5/5 | Brasilien-Modell zeigt maximalen ToT mit lokaler Endmontage. Kolumbien (2025): USD 3.6 Mrd.-Vertrag mit umfassenden Offsets [58]. Saab hat Kanada explizit 12'600 Arbeitsplätze bei 72 Gripen angeboten [59]. |
| Kooperation | 3/5 | Kein direktes Nachbarland fliegt Gripen. NATO-kompatibel via Link 16. Schweden als ehemals neutraler Staat versteht die Schweizer Anforderungen historisch besser als grosse NATO-Industriestaaten. |
Gewichtete Gesamtpunktzahl Gripen E: 4.35 / 5.00
| Kriterium | Bewertung | Begründung |
|---|---|---|
| Souveränität | 4/5 | Dassault hat den Rafale gezielt ITAR-frei konzipiert [52][60]. Einschränkung: Quellcode-Zugang verhandelbar, aber nicht garantiert -- Frankreich verweigerte Indien den Quellcode-Zugang für 114 Rafale (2026) [62]. |
| Verfügbarkeit | 4/5 | Armée de l'Air: 75-80% MC Rate [54][63]. Deutlich über F-35-Niveau, aber unter Gripen-Werten. |
| Betriebskosten | 3/5 | EUR 14'000-20'000 CPFH (französische Angaben) [63]. Zweimotoriges Design erhöht Treibstoffverbrauch. |
| Wirksamkeit | 5/5 | RBE2 AESA-Radar (Thales), SPECTRA EloKa-Suite, Meteor + MICA-Bewaffnung, IRST. Kampferprobt: Operationen in Mali, Libyen, Syrien, Irak über Jahrzehnte [60]. |
| Schweiz-Kompatibilität | 3/5 | Grössere, schwerere Plattform als Gripen E. Nicht primär für dezentrale Operationen konzipiert. Zweimotorig bietet jedoch Sicherheitsvorteil bei Einmotorenausfall über Alpen. |
| Offsets | 3/5 | Frankreich bietet ToT, aber mit Einschränkungen. Offset-Quoten historisch tiefer als bei Saab. |
| Kooperation | 4/5 | Frankreich ist direktes Nachbarland. Armée de l'Air fliegt Rafale. Gemeinsame Übungen und Luftraumkoordination bereits etabliert. |
Gewichtete Gesamtpunktzahl Rafale F4: 3.80 / 5.00
| Kriterium | Bewertung | Begründung |
|---|---|---|
| Souveränität | 3/5 | Europäische Exportkontrollen (weniger restriktiv als ITAR). Einschränkung: Konsortium-Struktur (4 Nationen) erschwert Entscheidungen. Deutschland hat in der Vergangenheit Exporte blockiert. Tranche 4 mit ECRS Mk 1 nutzt Open Architecture Mission System [64][65]. |
| Verfügbarkeit | 3/5 | Ca. 60-70% MC Rate. Wartungsaufwand höher als bei Gripen und Rafale [66]. |
| Betriebskosten | 2/5 | Höchste CPFH der drei europäischen Kandidaten. Ca. EUR 36'000 (UniBw München 2013) bis USD 60'000-65'000 (neuere Schätzungen) [66][67]. |
| Wirksamkeit | 4/5 | Captor-E AESA-Radar (ECRS Mk 1) für Tranche 4 [64][65]. Meteor-Integration, gute Flugleistungen (Supercruise). Pirate IRST serienmässig. |
| Schweiz-Kompatibilität | 3/5 | Grössere Plattform, nicht für dezentrale Operationen konzipiert. Braucht vollwertige Militärflugplätze. |
| Offsets | 4/5 | Deutschland und Italien sind Nachbarländer und Konsortium-Partner. Potenzial für umfassende industrielle Beteiligung. |
| Kooperation | 5/5 | Deutschland, Italien und Österreich fliegen oder beschaffen Eurofighter -- alle sind Nachbarstaaten der Schweiz. |
Gewichtete Gesamtpunktzahl Eurofighter Typhoon T4: 3.20 / 5.00
| Rang | Kandidat | Gewichtete Punktzahl |
|---|---|---|
| 1 | Gripen E | 4.35 / 5.00 |
| 2 | Rafale F4 | 3.80 / 5.00 |
| 3 | Eurofighter Typhoon T4 | 3.20 / 5.00 |
Der Gripen E erzielt die höchste Punktzahl aufgrund der überlegenen Kombination aus Souveränität, Verfügbarkeit, Betriebskosten und Schweiz-Kompatibilität. Einschränkung Wirksamkeit: Der Gripen E hat bei der Wirksamkeit (3/5) die tiefste Bewertung. Die einmotorige, leichtere Plattform hat geringere Nutzlast und Reichweite als Rafale oder Eurofighter. Für die Schweizer Szenarien (Luftpolizei, Luftverteidigung im eigenen Luftraum) ist dies akzeptabel.

Eigene Bewertung auf Basis öffentlich verfügbarer Quellen (GAO, Herstellerangaben, unabhängige Analysen). Die Gewichtung folgt dem AHP-Verfahren.
Konfiguration: 55-60 Gripen E (oder ein anderes europäisches Muster)
Vorteile:
Nachteile:
Realistische Einschätzung: Diese Option wäre anforderungsbasiert ideal, ist aber aufgrund des bestehenden Vertrags politisch kaum umsetzbar, es sei denn, die Kostensteigerungen werden so massiv, dass ein Vertragsausstieg wirtschaftlich vertretbar wird.
Konfiguration: 15 F-35A + 35 Gripen E = 50 Kampfflugzeuge
| Position | Menge | Stückpreis (geschätzt, inkl. Initiallogistik) | Summe |
|---|---|---|---|
| F-35A | 15 | ca. CHF 190 Mio. | CHF 2.85 Mrd. |
| Gripen E | 35 | ca. CHF 90 Mio. (basierend auf Brasilien/Kolumbien-Deals [49][58]) | CHF 3.15 Mrd. |
| Total | 50 | -- | CHF 6.00 Mrd. |
Hinweis zu den Stückpreisen: Die Gripen-E-Stückpreise variieren je nach Vertragskonfiguration erheblich. Für diese Berechnung wird ein konservativer Mittelwert von CHF 90 Mio. verwendet, der ein solides Logistik- und ToT-Paket einschliesst. Die tatsächlichen Kosten müssten in einer formellen Evaluation ermittelt werden.

Eigene Berechnung. Option B ermöglicht 50 statt maximal 35 Kampfflugzeuge im gleichen Budget von CHF 6 Milliarden.
| Auftrag | F-35A (15 Stück) | Gripen E (35 Stück) |
|---|---|---|
| Luftpolizei 24/7 QRA | Reserve / Spitzenbelastung | Primär (tiefe CPFH, hohe MC Rate) |
| Luftverteidigung Ernstfall | Primär (Sensorfusion, BVR, vernetzter Kampf) | Sekundär (WVR, Aufklärung, Unterstützung) |
| Ausbildung | Sekundär | Primär (tiefere Kosten, höhere Verfügbarkeit) |
| Alltagsbetrieb / Grossanlässe | Sekundär (Schonung teurer Flugstunden) | Primär |
| Konfiguration | Flottengrösse | MC Rate | Einsatzfähig |
|---|---|---|---|
| 35 oder weniger F-35A (Status Quo) | max. 35 | ca. 51% [9] | ~18 |
| 15 F-35A + 35 Gripen E (Option B) | 50 | F-35: 51%, Gripen: 90% | ~8 F-35 + ~32 Gripen = ~40 |

Eigene Berechnung auf Basis der MC Rates: F-35A ca. 51% (GAO-24-106703), Gripen E >90% (Saab/Herstellerangaben).
Machbarkeit: Die Schweiz betrieb bis 2003 gleichzeitig F/A-18 Hornet, F-5 Tiger und Mirage III -- drei Muster parallel. Kanada diskutiert 2026 aktiv einen Mixed-Fleet-Ansatz mit F-35 und Gripen E [59][68].
Konfiguration: Maximal mögliche Anzahl F-35A im Budget von CHF 6 Mrd. (35 oder weniger Stück)
Vorteile:
Risiken:
| Risikokategorie | Beschreibung | Betroffene Anforderungen |
|---|---|---|
| ITAR-Vollabhängigkeit | Gesamtes Waffensystem unter US-Exportkontrolle | SO-001, SO-004, SO-005, SO-006 |
| MC Rate <80% | 51% flottenweite Verfügbarkeit; bei 35 Jets: nur ~18 einsatzfähig | LO-001, LV-003, LV-010 |
| ALIS/ODIN-Datenabfluss | Wartungs- und Missionsdaten fliessen an LM/US-DoD | SO-002, SO-003 |
| MDF unter US-Kontrolle | "Gehirn" des Jets nicht in Schweizer Hand | SO-001, SO-003, LV-007 |
| Kostensteigerungen | +46% (Kanada), +44% Sustainment global, CHF 0.65-1.3 Mrd. Mehrkosten CH | PO-004, PO-005, LO-003 |
| Kein Quellcode | 25+ Mio. Zeilen Code unter US-Kontrolle | SO-003, SO-005 |
| Kleinste Flotte | Max. 35 Jets vs. Expertenforderung 55-70 | LV-010 |
Fazit Option C: Dies ist die risikoreichste Option. Alle Souveränitäts-, Verfügbarkeits- und Kostenrisiken bleiben bestehen. Die Flotte ist die kleinste aller drei Optionen und erfüllt mehrere MUSS-Anforderungen nicht oder nur unter optimistischen Annahmen.
Die Schweiz hat am 17. Oktober 2024 die Beitrittserklärung zur ESSI unterzeichnet und ist das 15. Mitglied der Initiative [39][40].
| Parameter | Wert |
|---|---|
| Beitritt Schweiz | 17. Oktober 2024 (MoU und Beitrittserklärung) |
| Anzahl ESSI-Mitglieder | 15 (Stand 2024) |
| Beschaffungsfokus Schweiz | Patriot (BODLUV) + IRIS-T SLM (5 Systeme, CHF 660 Mio.) |
| Neutralitätswahrung | Unilaterale Beitrittserklärung mit Suspendierungsklausel |
Die Schweiz hat ihre Vorbehalte unter dem Neutralitätsrecht in einer öffentlichen unilateralen Beitrittserklärung festgehalten [40][41]:
| Technologie | Beschreibung | Relevanz für die Schweiz | Quelle |
|---|---|---|---|
| Passive Coherent Location (PCL) | Passivradar (z.B. Hensoldt TwInvis): nutzt DAB+/5G-Signale, emittiert nichts, 250 km Reichweite | Ideal für Alpentäler: DAB+-Signale fluten Täler, Radar ohne emittierende Quelle | [69][70] |
| Akustische Drohnendetektion | Sensornetzwerke mit KI-basierter Klangerkennung | Lessons Learned Ukraine: 14'000+ Sensoren, Drohnen-Detektion ca. 5 km | [71][72] |
| Gerichtete Energiewaffen (DEW) | Hochenergielaser (Rheinmetall Skyranger 30 HEL, 20-100 kW) | Gegen Drohnen, <9 EUR/Schuss vs. Mio. für Rakete | [73] |
| High-Power Microwave (HPM) | Epirus Leonidas: 49-Drohnen-Schwarm mit einem Puls neutralisiert (100% Erfolgsrate, Aug. 2025) | Kosteneffizienz: ca. 5 US-Cent/Abschuss | [74] |
Die Analyse der MUSS-Anforderungen, der Bedrohungslage und der europäischen Kandidaten führt zu einer klaren Empfehlung: Option B -- ein High-Low-Mix aus 15 F-35A und 35 Gripen E -- ist die Konfiguration, die die definierten Anforderungen am besten erfüllt.
| MUSS-Anforderung | Option B (15 F-35 + 35 Gripen) | Option C (35 oder weniger F-35) |
|---|---|---|
| SO-001: Autonomer Betrieb | Grundbetrieb (Gripen) souverän | Vollständig abhängig von US-Freigaben |
| SO-004: Kein ITAR-Lock-in | Gripen-Anteil reduziert Gesamtabhängigkeit | Gesamtsystem unter ITAR |
| LO-001/LV-003: MC Rate >80% | ~40 von 50 einsatzfähig (~80%) | ~18 von 35 einsatzfähig (~51%) |
| LV-007: Durchhaltefähigkeit | Gripen-Ersatzteile unabhängig beschaffbar | Völlige Abhängigkeit von US-Lieferketten |
| LV-010: Flottenumfang | 50 Flugzeuge | Max. 35 Flugzeuge |
| PO-004: Budget CHF 6 Mrd. | Im Budget (15 x 190 + 35 x 90 = 6.0 Mrd.) | Im Budget (bei Reduktion auf 35 oder weniger) |
| LO-003: CPFH | Durchschnitt deutlich tiefer (Grossteil auf Gripen) | USD 34'000-36'000 pro Stunde |
| Risiko | Option A (60 Gripen) | Option B (15 F-35 + 35 Gripen) | Option C (35 oder weniger F-35) |
|---|---|---|---|
| Souveränitätsrisiko | Tief | Mittel (nur F-35-Anteil) | Hoch |
| Verfügbarkeitsrisiko | Tief (>90% MC) | Tief (Gesamtflotte ~80%) | Hoch (51% MC) |
| Kostenrisiko | Tief | Mittel (F-35-Anteil) | Hoch (Kanada: +46%) |
| Politisches Risiko | Hoch (Vertragsausstieg) | Mittel (Vertragsreduktion) | Tief (Status Quo) |
| Logistik-Komplexität | Tief (1 Muster) | Mittel (2 Muster) | Tief (1 Muster) |
| Fähigkeitslücke Sensorfusion | Mittel | Tief (F-35 für High-End) | Tief |
| Flottengrösse-Risiko | Tief (55-60 Jets) | Tief (50 Jets) | Hoch (max. 35 Jets) |

Eigene Analyse auf Basis der identifizierten Risikokategorien. Grün = Tief, Orange = Mittel, Rot = Hoch.
Option B bietet den besten Kompromiss zwischen:
Die Entscheidung erfordert politischen Mut, denn sie bedeutet eine Abweichung vom bestehenden Plan. Aber die Fakten -- dokumentierte ITAR-Risiken, 51% Verfügbarkeitsrate, +46% Kostensteigerung in Kanada, Reduktion auf 35 oder weniger Stück wegen gestiegenen Preisen -- legen nahe, dass der bestehende Plan die eigenen Anforderungen nicht erfüllt.
[1] Bundesrat (2021): Air2030 -- Bundesrat beschliesst Beschaffung von 36 Kampfflugzeugen des Typs F-35A
[2] VBS: Air2030 -- Schutz des Luftraumes (Vertragsübersicht)
[3] Bundeskanzlei: Volksabstimmung 27. September 2020 -- Beschaffung neuer Kampfflugzeuge
[4] VBS (Dezember 2025): Air2030 -- Schweiz beschafft maximal mögliche Anzahl F-35A
[5] SRF (2025): Die Schweiz beschafft weniger F-35-Kampfjets als erwartet
[6] NZZ (2025): Die Schweiz muss bei der Beschaffung der F-35-Kampfjets Mehrkosten akzeptieren
[7] Flugrevue (2025): Schweiz reduziert F-35-Bestellung wegen explodierender Kosten
[8] VBS (Juni 2025): Air2030 -- Aktuelle Herausforderungen und weiteres Vorgehen (Festpreis)
[9] GAO-24-106703: F-35 Sustainment -- Costs Continue to Rise While Planned Use and Availability Have Decreased
[10] GAO-24-106703: F-35 Sustainment (PDF)
[11] VBS (2017): Luftverteidigung der Zukunft -- Bericht der Expertengruppe NKF (PDF)
[12] GAO Blog (2024): The F-35 Will Now Exceed $2 Trillion As the Military Plans to Fly It Less
[13] The Globe and Mail (2025): Canada's F-35 fighter jets purchase will cost nearly 50% more than disclosed, A-G finds
[14] CBC News (2025): F-35 program facing skyrocketing costs, pilot shortage and infrastructure deficit: AG report
[15] GAO-25-107632: F-35 Joint Strike Fighter -- Actions Needed to Address Late Deliveries
[16] U.S. Department of State: International Traffic in Arms Regulations (ITAR)
[17] European Security & Defence (2022): ITAR-Related Obstacles to Exports
[18] USNI News (2014): Foreign F-35 Partners Allowed More Freedom to Customize Fighter Software
[19] Infodas: Solving data sovereignty issues with the F-35 ALIS/ODIN system
[20] Air & Space Forces Magazine: F-35 Program Dumps ALIS for ODIN
[21] Airforce Technology (2021): Norway receives F-35 mission data file from USAF
[22] flyajetfighter.com: F-35 flight data -- a strategic asset but a source of dependence on Washington
[23] The War Zone (2025): You Don't Need A Kill Switch To Hobble Exported F-35s
[24] The Aviationist (2025): The F-35 'Kill Switch' -- Separating Myth from Reality
[25] CSIS: The Great Unwinding -- The U.S.-Turkey Arms Sales Dispute
[26] Simple Flying: Countries The United States Has Banned From Buying The F-35
[27] RUSI (2024): The Attritional Art of War -- Lessons from the Russian War on Ukraine
[28] RUSI (2025): Tactical Developments During the Third Year of the Russo-Ukrainian War (PDF)
[29] CSIS (2025): Lessons from the Ukraine Conflict
[30] armasuisse: Hyperschall-Gleitflugkörper
[31] IFSH: Hyperschallwaffen in Europa (PDF)
[32] CSIS (2025): Russia's Intense Air Campaign in October
[33] Norsk Luftvern (2025): The Drone Defense Economics Crisis
[34] CSIS (2024): Russia's Shadow War Against the West
[35] VBS/NDB (2025): "Sicherheit Schweiz 2025" -- Lagebericht des Nachrichtendienstes des Bundes
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[37] SWP (2023): Russian Missiles and the European Sky Shield Initiative
[38] armasuisse: Hyperschall-Gleitflugkörper
[39] Bundesrat/VBS (2024): Schweiz unterzeichnet Beitrittserklärung zur ESSI
[40] admin.ch (2024): Switzerland Signs Declaration of Accession to ESSI
[41] Defense News (2024): Switzerland Squares Neutrality With Its European Air-Defense Push
[42] Cockpit.aero: Die Luftpolizei ist bereit
[43] VBS: Air2030 -- Schutz des Luftraumes (Grossanlässe)
[44] SEPOS: Sicherheitspolitische Strategie der Schweiz 2026 (Vernehmlassung)
[45] Blick (2025): Bundesrat beschliesst Dezentralisierung der Luftwaffe
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[54] flyajetfighter.com: Actual availability rates for the F-22, Rafale, Su-35, and Gripen E
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